Slowenien 2001

Die letzte Tour in diesem Jahr führte mich über Italien nach Slowenien. Organisiert wurde sie von Volker Wasmus von der Offroad IG Braunschweig. Außer mir mit meinem Opel Frontera Sport waren noch mit von der Partie: Dietmar (Toyota HDJ 80), Udo und Katrin (Landrover 110) und Volker (Mitsubishi L300 4WD).

1. Tag - Die Anfahrt
Um 10.00 Uhr am 28.09.2001 starten Volker und ich in Braunschweig erst mal nur zu zweit. Unsere Mitfahrer treffen wir am Samstag Nachmittag in Ravascletto - Italien. Wir haben uns entschlossen über die A14/A9/A93 zu fahren. Trotz Baustellen kommen wir gut voran, um 18.00 Uhr dann Rast direkt am Inn. Da wir uns noch sehr frisch füllen geht die Fahrt noch weiter, durch den Felberntauerntunnel. Kurz hinter dem Tunnel wird es dann doch Zeit einen Platz für die Nacht zu finden. Nach 11 Stunden Fahrt und 760 Km habe ich dann auch keine Probleme mit dem einschlafen.

2. Tag - Plöckenpaß (Kz. 59), Cellostollen, Zoufplan (Kz. 236)
Ich wurde sehr früh durch die Kälte geweckt (4 Grad im Auto). Zum Glück kommt schon die Sonne durch, so das es wieder ein warmer Tag wird. Wir fahren weiter rauf zum Plöckenpaß. Auf dem Paß angekommen haben wir noch Zeit uns den Cellonstollen an zu sehen und zu begehen. Ein im 1. Weltkrieg angelegter Kriegssteig, der in einer Bergflanke ca. 250 m steil noch oben führt. Es ist für mich eine tolle Erfahrung, leider ist oben angekommen die Sicht sehr schlecht. So entscheiden wir uns den gleichen Weg wieder hinunter zu steigen. Am frühen Nachmittag nehmen wir noch die Denzeltour 236, den Zuofplan, in Angriff. Schade nur das dichter Nebel keine Fernschicht erlaubt. Pünktlich Treffen dann auch unsere Mitfahrer ein, wir verbringen die Nacht in Ravascletto auf dem Campingplatz.

3. Tag - Panoramica delle Vette (Kz. 237), Forcella di Liüs (Kz. 234), Passo del Cason di Lanza (Kz. 233)
In dieser Nacht waren die Temperaturen viel angenehmer, so bin ich um 07.00 Uhr aufgewacht und habe zum erstenmal sehr gut auf meinem Brett im Frontera Sport geschlafen. Da die Mannschaft nun komplett ist kann die Rundreise beginnen. Zum eingewöhnen fahren wir die Panoramica delle Vette (1967 m), leider ist es auch heute wieder Neblig, trotzdem macht die Rundstrecke viel Spaß. Sie ist in guten Zustand und auch bei Nebel kein Problem.
Weiter geht es Richtung Osten von Dorf zu Dorf, die Forcella di Liüs gefahren, bis nach Paularo wo uns Dietmar einlud seine letzten Lire in Espresso um zuwandeln.
Unser nächstes Ziel ist der Passo del Cason di Lanza (1552 m), die kürzeste Verbindung Richtung Osten bis Pontebba. Eine sehr schöne und abwechslungsreiche Strecke, kurz vor Malga Casarotta dann noch ein außerplanmäßiger Stop. Volker, der vorne fährt, wird von Carabinieri raus gewunken, diese erweisen sich aber als sehr freundlich und so können wir weiter durch das noch recht ursprüngliche Val Aupa, Zeitweise direkt entlang des Flusses. Wir Entschließen uns heute noch bis Kobarid in Slowenien zu fahren, da das Wetter nicht besser werden will. Der Grenzübertritt ist dann unproblematisch. Ein genauer Blick auf die Papiere und ins Auto, das war's. Das letzte Stück bis Kobarid im Socatal ist einfach und geht zügig. Auf dem Zeltplatz Camp Koren angekommen lassen wir uns dank Schutzdach den Wein bis Mitternacht auch bei Regen gut schmecken.

4. Tag - Kolovrat
Den Vormittag haben wir damit verbracht uns in Kobarid mir Bargeld und Lebensmittel ein zudecken. Um 12.00 Uhr machten wir uns auf den Weg, den Kolovrat hinauf, einen langgestreckten Höhenzug entlang der Grenze zu Italien. Leider begleitet uns auch hier wieder Nebel. Wir fahren hinunter zum Ort Britof im Tal der Idrija, unmittelbar an der Grenze gelegen. Hier geht es im Tal weiter bis wir ein neues Hinweisschild entdecken das uns den Hang hinauf zu einer seit langer Zeit verlassenen Siedlung führt.
Es liegen zwei Kilometer vor uns, für die wir zum Schluss zwei Stunden brauchen werden. Volker war vor zwei Jahren schon einmal hier und hatte Wegebau betrieben, aber leider ist davon nichts mehr zu merken gewesen. Wir schlagen uns mit Macheten, Sägen und Messern Meter für Meter voran und sind glücklich als wir abends unser Lager unter großen Kastanienbäumen auf schlagen können.

5. Tag - Trnovski Gozd und Kras
Eigentlich wollen wir bis Nova Gorica (Neu Görz) auf dem Kolovrat bleiben, doch daraus wird nichts. Bereits nach wenigen Kilometern versperrt eine Teermaschine den Weg. Also zurück. Bei Kanal steigen wir ins Socatal ab. Wieder fasziniert uns die eigentümliche, türkisblaue Färbung des Flusses, wir fahren vorbei an der schönen Straßenbrücke vor Nova Gorica rauf auf den Trnovski Gozd, eine kaum besiedelte Waldregion. Die Sicht ist zwar noch immer durch dichten Nebel stark eingeschränkt und die Orientierung schwierig, doch die Richtung entlang des Steilabfalls zum Vipavatal hinunter ist vorgegeben. Wir kommen uns vor wie in einem Geisterwald. Dazu trägt nicht zuletzt die starke Verkarstung des Kalkgesteins bei, die die Felsoberfläche bizarr geformt hat. Als kleine Entschädigung ist die Schotterpiste allerdings – wie so oft in Slowenien – in einem hervorragenden Zustand. Den möglichen Abstieg direkt durch die steile Felswand hinunter nach Vrtovin lassen wir bei diesem Wetter lieber, wir fahren weiter auf dem Normalweg und genießen die schöne Herbstfärbung des Mischwaldes, denn so langsam klärt es wieder etwas auf.
Unterhalb der steilen Ostwand des V. Modrosovec geht es dann hinunter nach Lokavec. Wir wollen hinüber nach Stanjel, einem Vorzeigedorf mitten im Kras, finden aber den Einstieg nicht und landen in einem kleinen Bergdorf auf einen Hügel. Da wir noch an einer Weinprobe teilgenommen haben, haben wir reichlich Zeit vertrödelt und fahren nun direkt weiter zu unserem heutigen Tagesziel, der Schauhöhle Skocjanske Jame in der Nähe von Divaca, einem Weltkulturerbe. Auch wenn es in Slowenien nicht wirklich erlaubt ist, schlagen wir unser Nachtlager auf dem dortigen Parkplatz auf, natürlich am besten ohne viel aufsehen zu erregen.

6. Tag - Scocanske Jame, Javorniki, Zirknitzer See
Wir nehmen um 10.00 Uhr an der ersten Führung teil, ein wirklich tolles Erlebnis diese Schauhöhle. Nachdem uns die Oberwelt wieder hat, machen wir dort auf dem Parkplatz noch Mittag, danach geht es weiter zum Zirknitzer See. Die Strecke dort hin führt uns zunächst entlang des Flusses Reka und dann über die Javorniki, dem nördlichen Ausläufer des Sneznik (Schneeberg), einem riesigen Waldgebiet, in dem es noch Bären, Wölfe und sogar Luchse gibt. Da wir noch Feuerholz für den Abend brauchen fahren wir noch in einen Nebenweg und laden Volkers Auto voll und Dietmar sein Dachträger wird auch noch ordentlich beladen. Am See dann an gekommen, fahren wir am Ufer entlang und machen viele schöne Fotos. Bevor wir unser heutiges Tagesziel, das Speleo-Camp in Laze erreichen machen wir noch einen Abstecher zu dem Ort, wo der Fluss Unica wieder ans Tageslicht tritt und in das Planina Polje fließt. Über einen schmalen Feldweg fahren wir am Rand des Polje entlang. Direkt unterhalb des alten Zwingers von Planina befindet sich ein riesiges Höhlenportal. Der Fluss treibt hier mit einem Teil seines Wassers auch ein Kraftwerk an. Die Strömung ist zur Zeit enorm. Eine Befahrung der Planinahöhle mit Schlauchbooten, die man vor Ort buchen könnte, ist bei diesen Verhältnissen nicht ratsam.
Abends schlagen wir unser Lager dann bei den Höhlenforschern auf und sitzen noch lange am Lagerfeuer.

7. Tag - Rakov Skocjan, Slivnik
Da wir noch eine weitere Nacht, hier im Camp der Höhlenforscher, bleiben machen wir heute eine Tagestour, ich lasse mein Fahrzeug stehen und steige bei Volker als Beifahrer ein. Wir fahren zunächst zum Rakov Skocjan (Tal von St. Kanzian). Hier kann man das weitgehend unterirdisch fließende Flusssystem für wenige Kilometer oberirdisch verfolgen. Ein Rundweg führt vorbei an großen Höhlenportalen, Quellen, Einbruchskesseln und Naturbrücken. Ein tolles Naturschauspiel. Ab hier trennen wir uns und fahren in zwei Gruppen rauf zum Slivnik, dem Hexenberg. Oben ein leider etwas getrübter Überblick über den Zirknitzer See. Dann geht es wieder hinunter nach Rakek zum einkaufen, Grillgut für heute Abend. Volker fahrt mit mir noch los das Polje anschauen, noch vor 3 Tagen stand es teilweise unter Wasser. Wir fahren über schmale Feldwege in den nördliche Teil, dort wo die Schlucklöcher sind. Doch von See keine Spur mehr. Nur noch Wasserstandsmarken an den Büschen. Die Furt am Ende des Polje, dort wo der Weg dann in den Wald hoch führt, ist allerdings noch nicht wieder befahrbar.
Danach geht es zurück ins Lager, wir setzen uns in die Sonne und machen die Planung wir die nächsten Tage. Der weitere Abend wird dann ein voller Erfolg.

8. Tag - Skovjeloska Jelovica, Pokljuka, Virsic-Pass (Kz. 230), Predil-Pass (Kz. 231), Sella Nevea Naßfeldpaß (Kz. 60)
Ab heute geht es wieder in Richtung Heimat, aber es soll nicht stur über die Autobahn gehen, sondern langsam und gemütlich damit man noch etwas zu sehen bekommt. Also Kurs Nord-Nordost und dann Richtung Ostseite des Triglav Nationalparks. Wir entdecken noch viele schöne Ecken auf dieser abwechslungsreichen Fahrt. Von neuer zweispuriger Asphaltstraße bis zum schmalen Waldweg ist an Straßenzuständen alles dabei. Besonders in der Skovjeloska ist die Orientierung alles andere als leicht. In Bohinjska Bistrica tanken wir erst mal wieder nach und fahren dann über ein schmales einspuriges Sträßchen mit 12%iger Steigung hinauf in die Almregion der Pokljuka in 1300 Metern Höhe. In Krnica wollen wir dann ins Radovnatal abbiegen, was sich allerdings wegen einer Brückensperrung als etwas schwer erweißt. Wir müssen uns eine andere Brücke suchen, was sich angesichts der vier großen Autos und des kleinen Ortes als sehr schwierig heraus stellt. Irgend wann sind dann aber doch alle durch.
Das Radovnatal führt vorbei an den nördlichen Abhängen des Triglav-Nationalparks. Es ist bereits früher Nachmittag als wir den bekannten Wintersportort Kranjska Gora erreichen. Ab hier trennen sich unsere Wege teilweise. Volker und ich wollen noch ein paar Pässe fahren, der Rest will unbedingt am Samstag zuhause sein. So fahren wir nun nur noch zu zweit hinauf auf den Vrsic-Pass (1611 m), rauf und runter insgesamt 52 Kehren, auf der Nordrampe noch in der alten Kopfsteinpflasterung. Es ist ein Höhenunterschied von 900 Metern zu bewältigen. Langsam arbeiten wir uns Kehre für Kehre hinauf, immer schön weit ausholend um im 2. Gang noch gerade so rum zu kommen. Mehrere Male halten wir an um zu fotografieren und uns die verschiedenen Gedenkstätten anzusehen, die an die große Bedeutung dieser ehemaligen Kriegsstraße aus dem 1. Weltkrieg erinnern. Die russische Kapelle z.B. erinnert an die 10000 russischen Kriegsgefangenen, die beim Bau der Straße eingesetzt waren und von denen an dieser Stelle 100 durch eine Lawine ums Leben kamen. Auch bei der Abfahrt ins obere Socatal bleiben wir in der kurzen Untersetzung und lassen uns rollen. Auch am Oberlauf der Soca müssen wir noch mal einen Stop einlegen und schauen von einer heftig schwingenden Hängebrücke aus auf den wohl schönsten Fluss der Alpen. Noch ein kurzer Halt an der Flitscher Klause, einer alten Befestigungsanlage mit dazu gehöriger, tief eingeschnittener Schlucht, und weiter geht es rauf auf den Predil-Pass (1156 m).
Am Predilsee angekommen müssen wir uns dann entscheiden: Einen schönen Standplatz am See suchen oder noch weiter fahren? Nach kurzer Überlegung beschließen wir, möglichst auch am Samstag Abend wieder im eigenen Bett zu liegen. Über die Sella Nevea (1162 m) fahren wir durch das schöne Val Raccolana, von dem wir allerdings nur wenig sehen, da es langsam dämmert. Oben an den Berghängen immer wieder die Lichter einzelner Häuser und kleiner Siedlungen. Im Tal Canal del Ferro ist es dann ziemlich finster und der Verkehr wieder dichter, doch die Straße ist breit und es geht zügig voran. Ab Pontebba dann der Aufstieg zum Naßfeldpaß (1530 m). Wir fahren bis auf die Passhöhe und bleiben auf dem Parkstreifen der ital. Seite. Den Abend lassen wir in Volkers Bus mit zwei Flaschen Wein ausklingen.

9. Tag - Heimreise
Um 06.00 machen mich die ersten Wanderer wach, zum Glück habe ich wie ein Baby geschlafen, das lag wohl auch an dem Wein. Bei herrlichen Wetter machen wir uns nach kurzen Frühstück auf den Weg, immerhin noch gute 900 Kilometer die wir vor uns haben. Natürlich wird es irgendwann nervig, aber Volker und ich halten uns durch gute Musik und quatschen über Funk bei Laune und so vergeht auch die Zeit. Um ca. 22.00 Uhr bin ich dann endlich zuhause in Salzgitter angekommen.

Strecken Information:
Grosser Alpenstrassenführer, 21. Ausgabe; DENZEL-Verlag; ISBN 3-85047-763-0
Geländewagen Touren, Band 3; Theo Gerstl, Riesenburgstraße 60, 81249 München
Karten:
Friuli Venezia Giula, 1:150.000, Tabacco
Tabacco 1:25.000, Nr. 09, 018, 019
Julische Alpen, WK 141, 1:50.000, freytag & berndt
Geodetski Zavod Slovenije, mehrere Blätter 1:50.000

Norbert Lehmann © 2001

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